Schöpfungsspiritualität in biblischer und jüdischer Tradition – ein Streifzug
„Gepriesen seist Du Ewiger unser Gott, König der Welt, der du die Buschwindröschen neu erblühen lässt, mit denen Du uns erfreust.“ Als ich vor 15 Jahren mit Rabbinerin Bea Wyler auf dem Schwanberg spazierenging, es war März, blieb sie plötzlich mitten im Wald stehen undsprach diesen Segensspruch über die Blumen: Baruch ata adonai elohenumelech ha olam, …. spontan, innig. Das hat mich nachhaltig beeindruckt. Ich wollte mehr wissen von dieser Art spiritueller Praxis in und mit der Schöpfung zu sein. Und ich wurde zuallererst auf die biblischen Quellen verwiesen. Hier liegen große Schätze einer Schöpfungsspiritualität, die wir in diese Welt einbringen können. Jetzt will ich einen kleinen Streifzug mit euch machen. Und wir fangen am Anfang an:
„Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde … und der göttliche Geist schwebte über den Wassern.“(Genesis 1,1) Der Geist west uranfänglich an. Im Buch der Weisheit heißt es „Der Geist des HERRN erfüllt den Erdkreis.“ (Weish.1,7) Ruach, Spiritus ist allgegenwärtig. Für den biblischen Menschen ist Natur, „die von Gottes Geist durchtönte geheiligte Schöpfung“ (S. Wohlfahrt). Hier liegt der Urkern für eine spirituelle Praxis: mich von diesemschöpferischem Geist berühren lassen, in ihm und aus ihm leben. In Beziehung sein. So wird in den Schöpfungserzählungen die Entstehung der einzelnen Lebensräume und lebendigen Lebewesen eben auch als eine einzige Beziehungsgeschichte entfaltet. Der Alttestamentler Erich Zenger weist darauf hin, dass es um den Beginn der Beziehung Gottes zur Größe der Welt als Himmel und Erde geht. „Nicht wie es zur Welt gekommen ist, sondern wie diese Welt eigentlich ist, wie der Mensch sie und sich in ihr sehen soll und vor allem wie Gott zu dieser Welt… steht.“ (327). Sie verkünden, dass er sie von Anfang an und solange es sie gibt, liebt und segnet und am Leben erhält. Alle Lebensfäden, Zusammenhänge, Elemente haben ihren Ursprung in Seiner Preisgabe. Gott entäußerst sich, bleibt nicht für sich, schafft aus sich heraus. Die Schöpfung ist ein Akt der Hingabe, wie es der jüdische Gelehrte Weinrebausdrückt. So schafft er kreativ ein Lebenshaus für alle mit individuellen Lebensräumen. Und der Mensch ist mitten hineingestellt – geschaffen wie alles aus dem WORT, ist er dazu eine wundersame Kombi aus Erde UND dem ATEM Gottes. Diese Erschaffung allen Lebens ist immer wieder zu erinnern. Schöpfungsspiritualität geschieht als Erinnerung an diesen Anfang, wie wir alsGeschöpf unter Geschöpfen verwebt sind. Lebendig sein, heißt täglich neu,inmitten der Welt, aus dem Ursprung leben lernen. (vgl Apg 17: In Gott leben, weben und sind wir). Mich erinnern, wem ich mich verdanke und Gottes Atem in meinem Atem zelebrieren. „Alles, was Odem hat, lobe den Ewigen. HALLELUJA.“ (Ps 150). Halleluja. In diesem Wort verdichtet sich Wesentliches einer bibl. Spiritualität (Rabbi Levi Weiman-Kehlmann). Übung: HA (EA) leululelu.… wie das Leben so geht… JA (AA) . Der erste und der letzte Atemzug und jeder Atemzug immer neu. Getragen vom Atem Gottes mein Leben.
Ausbildungsleiterin
Dr. Thea Vogt
Meditationsbeauftragte der ELKB

In der Stille zieht das unendliche Geheimnis, das tiefste DU, den Menschen an.
martin gutl
Wie wird Leben? Wie erschafft Gott? Gott sprach, „es werde und es ward“
Einmalig ist die Verbindung von WORT und LEBEN. Worte werden zu lebendigen Wesen. Davon erzählt auch der Weisheitstext Sprüche 8, wie die Weisheit vor Gott spielt und Gott mit ihr zusammenwirkt. Jüdische Mystik sieht in der Figur der Weisheit die Tora und im sefer jetzira, dem mystischen Buch der Schöpfung (2.-6. Jh) haben die sefirot (Buchstaben) schöpferische Kraft: (siehe Legende: Die Buchstaben sind als schwarze Flammen auf weißem Feuer auf dem, Arm Gottes– so liegt die Schrift uranfänglich in Gott vor.. ) Und Gottschafft unaufhörlich weiter. Aus seinem Wort kommt immer neu Leben. Die Elemente selbst sind hierfür Gleichnis: Wie Regen und wie Schnee, die Erde feuchtet und fruchtbar macht, so ist das Wort. Es kommt nicht leer zurück. Es wirkt auch in uns das seine. Jesaja 55! Jeder und jede von uns ist ein verkörpertes WORT des Ewigen. Durch mich spricht sich Gott weiter. Was verkörpere ich aus der Fülle Gottes? Was ist „Das von Gott in mir,“ das sich mit mir verleiblicht und gebärdet?
Die Schöpfung ist also lesbar auf Gott hin, verkündet seine Schönheit und Kraft, ist lebendige Botschaft. Alles wird zum Gleichnis, zur Schau seines Wirkens. So auch bei Jesus. als Rabbi, als Weiheitslehrer erzählt er in Gleichnissen, nimmt Schöpfungsgeschehen dabei auf. Reich Gottes wie eine selbstwachsende Saat (Mk4 ), Lilien und Vögel künden von der Treue Gottes, Joh 15: Weinstock und Reben als Bild für Gottverbundenheit… Erkennbar seine Güte In einem immerwährenden Prozess, der weitergeht. Im Strom der Weltenzeit.
Mit der Schöpfung entstehen nicht nur Lebensräume, sondern wird ZEIT geheiligt. Die Vollendung des Tuns liegt im Aufhören des Tuns. Der Schabbat ist die Krone der Schöpfung. Alles wird entlassen in tiefe Ruhe und in Freiheit, auch die Sklaven und Fremdlinge und das Vieh sollen ruhen. Exodus 20.10 Im siebten Jahr auch die Äckerböden, Weinberge etc.. 3. Mose 25 und das Erlassjahr im 5o Jahr. Für Schöpfungsspiritualität ein weites Feld!
Wenn Schöpfung Botschaft ist – was kann uns dann in ihr geschehen? davon erzählen vor allem Texte aus weisheitlicher Tradition
„Steh still und betrachte die wunderbaren Werke des Ewigen (Hiob 37,14) „Steh still und staune.“ In diesem Wort bei Hiob verdichtet sich Wesentliches einer spirituellen Praxis. So, im Innehalten, soll der Mensch staunend in und mit der Schöpfung SEIN. Denn diese ist zuallererst ein Raum, wahrzunehmen wie wunderbar GOTT ist und damit ist sie das Tor zu Ehrfurcht und Weisheit. Der Anfang der Ehrfurcht ist das Staunen und der Anfang der Weisheit die Ehrfurcht. Staunen darüber das Leben einfach da ist – ist ein Urerlebnis des bibl. Menschen.
IDer jüdische Gelehrte Abraham Heschel schreibt: „Wahrnehmung des Göttlichen beginnt mit dem Staunen.“ (37) „Staunen ist radikales SichVerwundern“. „Der Weg zum Glaubens führt durch Staunen und radikale Verwunderung.“ (38.) Jenseits der Beurteilungen, die in mir so abgehen, wo ichfeste Begriffe für alles Mögliche habe, mit denen ich einordne, bewerte und verzwecke. Staunen zieht hinaus über all das. „Fundamentales Staunen hat einen weiteren Horizont als jeder andere menschliche Akt.“ (37) Heschel beschreibt Staunen als „ein Bewusstsein, dass wir gefordert sind, unsere Antwort ist gefragt“ (85) Also wie ein Resonanzgeschehen. Etwas spricht uns an und wartet auf Antwort. Staunen verwickelt uns, zieht in Beziehung hinein, ist ein Beziehungsgeschehen. – Wenn ich staune, dann…. welche Qualität ist das in mir?
Staunen trifft auf die Doppelspürigkeit unseres Körpers. Es „bezieht sich auf die gesamte Wirklichkeit, nicht nur auf das, was wir sehen, sondern auch auf den Akt als solchen, ebenso wie auf unser Ich, das sehen und über seine Fähigkeit zu sehen staunen kann.“ (Heschel, 37) Das ist genial. Sie hören gerade, was ichrede, die Worte und gleichzeitig geschieht der Akt des Hörens als eigenes Wunder. Ich kann mich wahrnehmen als Hörende und was ich höre. Wie bin ich mit dem, was gesagt wird? Oder ich berühre mich und erlebe dabei ein doppeltes Empfinden, die Hand die berührt und die Stelle, die berührt wird.Diese Doppelspürigkeit des Körpers ist für die Praxis vonSchöpfungsspiritualität ein großes Potential. Ich nehme etwas wahr und zugleich mich als Wahrnehmenden. WIE ich damit bin und Wie ich damit in einem viel größeren Ganzen bin. Davon zeugen viele biblische Quellen– sie weiten immer neu hinein in das große Ganze. (Psalm 139, Hiob 37,14ff, Hiob 5,9, Jes 40, …)
Ps 8: Wenn ich sehe die Himmel, deiner Finger Werk, den Mond und die Sterne, was ist der Mensch, dass Du seiner gedenkst? Hier wird gestaunt, wie der Mensch hineingestellt ist in ein Größeres und welche Bedeutung er eigentlich hat angesichts dessen. Demut und Ehrfurcht erhebt sich im Innern. „Dabei ist Ehrfurcht mehr als ein Gefühl. Sie ist die Antwort des Herzens und des Geistes auf die Gegenwart des Mysteriums in allen Dingen, die intuitive Erkenntnis eines Sinnes,… ein Bewusstsein für den transzendenten Wert des Universums.“Durchgängig wird der Mensch aufgefordert: Hebe deine Augen auf und sieh…. Wer hat das alles geschaffen? (Jes 40 ). Mensch, sieh: „Die Himmel erzählen die Herrlichkeit des Ewigen. (Ps 19) Wir stehen in der Schöpfung mitten in einem Anbetungsraum. Heb deine Augen auf und sieh. „Ich hebe meine Augen auf, woher kommt mir Hilfe… von dem, der Himmel und Erde gemacht hat.“ (Ps 121) “Erhebt eure Häupter und seht auf.“ (Lk 21,28)
Dieser Blick nach oben in den Himmel – eine kleine physiotherapeutische Anweisung – Was macht er mit mir? Es erhebt die Halswirbel und weitet den Brustraum UND erhebt den Geist, weitet das Herz. Das trifft auf die Weisheit des Körpers, der als geformter Erdenkloß die Finger Gottes an sich trägt, im UrKörpergedächtnis gespeichert und erkennen kann, dass die Himmel das Werk der Finger Gottes sind. Der Körper hat seine eigene Weisheit. Psalm 139, 14: „Ich danke Dir, dass ich wunderbar gemacht bin, wunderbar sind deine Werke, das erkennt meine Seele.“ Näfäsch -Seele ist im hebräischen das Gesamtleibliche SEIN des Menschen. (Keine Trennung von Seele und Körper!!)Hier wird ein vorbegriffliches Wissen angedeutet als Körperwissen, tief innere eingewebte Weisheit in den Menschen. (auch bei Jeremia 31, 33ff, Dtn 30,14). Psalm 139,4: es gibt eine Art des Wissens, die dem Prozess der Äußerung vorangeht.
Biblische Schöpfungsspiritualität setzt also auf die Körperwahrnehmung als umfassendes Wahrnehmen, neben der singulären Sinneswahrnehmung von Hören und Sehen. Schaue ich den Himmel…. dann. Ja was erkennt sich dann?Tut sich Ehrfurcht auf? Und wohin zieht diese mich? Sie lockt uns einzustimmen in den Jubel der Geschöpfe.
Biblische Schöpfungsspiritualität entwickelt sich immer wieder als ein Einstimmen in den kosmischen Gesang der Dinge, die vor uns beten und Gott preisen mit ihrem Sein: Psalm 19 zeugt von diesem kosmischen Hymnus- dieser Sprache ohne Worte, ein Schall bis an die Enden der Welt. Und dieser Gesang des Universums klingt weiter im Menschen – in seinem Lobpreis über Gottes Weisheit und Weisungen… Dabei kann der Lobpreis vielfältig sein: Er kann ein Schweigen sein, Sprachlos vor Staunen, wo keine Worte mehr zu finden sind… ps 65,2, (II, 28) UND es ist der detaillierte Lobgesang, wie z.B. Psalm 136 Dankt dem Ewigen… denn seine Güte währet ewig… alles ist Zeichen seiner Güte. Oder Psalm 104 Lobe den Ewigen meine Seele… das ganze Leben soll einmünden in das Lob…alles was in mir ist. Die Berge und Hügel frohlocken mit Jauchzen und alle Bäume auf dem Feld klatschen in die Hände. (Jes 55,12)… Wenn auch der Mensch so preist, lebt er in innigster Verbundenheit mit den Geschöpfen. Im Lobgesang sind wir verbunden. Psalm 95; 97,6; 148: Zusammen mit Sonne und Mond und Bäumen: „Lobt mit mir… „
Psalm 104 ist dabei ein sehr wundervolles Beispiel von einer Stimme, in die wir einstimmen können und die uns im Mitsingen umstimmen kann. EinSeelengesang. (Lässt sich gut draussen zelebrieren im Erleben von Sprechen, Hören, zu mir nach innen nehmen, darin mich „ergehen“)
Spiritualität als Lobpreis: Dabei ist das Lob wie eine Selbsthingabe. Das ekstatische Lob, das keinen Zweck hat, keine Absicht, aber einen Anlass: die überwältigende Herrlichkeit. Dazu Zenger (357) „Was allen gemeinsam ist, der Libanontaube und dem Jordanbär, dem Weizenhalm und dem Ölbaum, den Menschlein und den Gewimmel der Fische im Meer ist nach Ps 104 doch dies,dass ihr Leben die Liebe des Schöpfergottes bezeugt. Wer lobt schaut von sich weg auf einen anderen. Die Wahrheit eines Lobpreises gilt auch, wenn derRühmende nicht Nutzniesser aus den Qualitäten des Gelobten ist. Im Gegenteil je weniger Interessen im Spiel sind desto authentischer der Lobpreis“. Das spricht gegen eine Verzweckung von Spiritualität. Die Ros blüht ohn Warum…!!
Der Psalm zeigt wie Segnung und Lob in eins gehen. „Segne meine Seele den Ewigen- so enden die Lobpsalmen.
Das Lob wird als Berecha (Segnung) in der jüdischen Alltagsspiritualität aufgenommen und vielfältig entfaltet: Gepriesen seist Du Ewiger unser Gott, König der Welt…. als Miniliturgie plus konkrete Entfaltung. (Vgl. eingangs die Buschwindröschen)
Schöpfungsspiritualität als Segnen: Täglich sind 100 Berecha zu sprechen. (Damit beginnt die Mischna). Vom Aufstehen bis zum Niederlegen: (auch physiologische Prozesse, wie Verdauung etc… sind segenswert…) „Der Mensch als Segnender nimmt so den Schöpfungsauftrag wahr, indem er weiter segnet. Diese Alltagsspiritualität zeugt von einem bestimmten Umgang mit den Elementen, dem Essen, der Begegnung mit Pflanzen,Tieren… Menschen… Das Heilwerden der Welt kann nur gelingen, wenn wir Gottes Heil in ihr wirksam werden lassen, dadurch dass wir in die Welt Gottes Segen bringen. Damit schauen wir immer neu auf die Welt, denn durch jeden Segenspruch wenden wir uns je neu dieser Welt und ihren Geschöpfen zu, setzen sie in Beziehung zu uns und gewinnen neue Perspektive.“ (Rabbiner W.Homolka) Auch Bonhoeffer hat die heilende Macht des Segnens betont und aufgerufen: ..“wir lassen die Welt nicht, die arme zerissene Erde, wir legen die Hände auf sie und sagen. Du gehörst Gott.“ Hier wird die Macht des Segens gegen die zerstörerischen Mächte gesetzt!
Und mit dem Einstimmen in das kosmische Lied stimmen wir auch in den Schrei nach Erlösung und in den Widerspruch gegen Zerstörung ein (Römer 8, die seufzende Kreatur) Der Anlass der biblischen Schöpfungstheologie ist, dass der Ewige die Welt als ihr Schöpfer liebt, durchwaltet und vollendet – ein grundsätzliches JA trotz aller Leiderfahrungen, Erschütterungen. Gerade im Buch Hiob wird durchgehend der Blick geweitet in die unermesslichen Wunder Gottes, das alles Verstehen übersteigt, aber auch der Engführung des Leidens und seinem letzten Wort widerspricht. „Angesichts der Feinde deckst Du den Tisch“ (Ps 23): Freiraum öffnet sich vis a vis der Bedrohung. Die Schöpfungstexte haben elementare Hoffnungsbilder.
Schöpfung als Begegnungsraum der Liebenden.
Das Schir ha Schirim, das Hohelied Salomos ist ein einzigartiges Textwunderwie sich Gottesbeziehung in der Natur entwickelt, abspielt, wie sie die Liebeunterstützt, Schutzraum ist und zum Gleichnis wird, zur Beschreibung der menschlichen Schönheit und der Schönheit Gottes. Das Hohelied Salomos ist nach Rabbi Akiba (2. Jh) das hochheiligste und musste seinen Eingang in die Bibel finden, weil wegen ihm ja die Tora überhaupt geschrieben ist. Es ist ein Liebeslied – sehr früh allegorisch ausgelegt – als Gesang der Seele des Volkes Israel oder des einzelnen zu seinem Gott und Gottes Gesang zu ihm … In dieser Weise wird es in vielen mystischen Bewegungen aufgenommen (Bernhard v.Clairvaux, Mechthild v. Magdeburg, Johannes v. Kreuz, Ernesto Cardenal ,… )Es entfaltet in acht Kapiteln die Suche von Gott und Mensch, ihr Finden und Vermissen, ihre Sehnsucht nacheinander, ihre Vereinigung und ihre Trennung in einzigartiger Liebessprache, die von Pflanzen und Tieren und Elementen durchdrungen ist. Und ist damit wirklich wie ein Mittelpunkt von Spiritualität als ein „Suchen nach dem, den meine Seele liebt“, inmitten der Schöpfung.3,1; 2,20ff; 6,11; )
„Meinen Freund gehöre ich und nach mir steht sein Verlangen. Komm mein Freund lass uns aufs Feld hinausgehen und unter Zyperblumen die Nacht verbringen, dass wir früh aufbrechen zu den Weinbergen und sehen ob der Weinstock sprosst und seine Blüten aufgehen ob die Granatbäume blühen. Da will ich dir meine Liebe schenken.“ (7,11)
Liebende Begegnung in und mit der Schöpfung erhebt sich hier zur Mitte biblischer Spiritualität.
Zusammenfassung:
Bei Schöpfungsspiritualität kommen vita activa und contemplativa zusammen.
Aus dem stillen Betrachten und Staunen erwächst Ehrfurcht als Grundhaltung für das Leben mit der Natur. ALLES gehört Gott und er allein ist Gott, bedeutet nichts ist zu vergöttern, aber alles hat seinen Ursprung in Gott. Wir dürfen mit allem sein, es nutzen… aber das alles ist Geschenkcharakter, wir bleiben in Verantwortung vor Gott,
Die Krone der Schöpfung ist der Schabbat die vollkommene Freiheit – Erlösungals fortwährender Prozess.
Staunen, Sich verwundern, Loben und Segnen sind die alltäglichen geistlichen Übungen
Das geht über Achtsamkeitsübungen hinaus. Sie stellen in die Beziehung zum je größeren Ganzen -in die Ehrfurcht und das ist ein umfassender Prozess der Wahrnehmung als Resonanzgeschehen
Es geht um Beziehung
Liebende Begegnung in und mit der Schöpfung und dem Schöpfer sind die Mitte der Tora. (Hohelied Salomos)
Ideen für die Praxis:
Biblische Texte in der Natur lesen – hier anders hörbar – mit biblischen Worten in der Schöpfung gehen – und die Natur als Botschaft lesen. Z.B. Psalm 16: Du tust mir kund den Weg des Lebens… wo vernehme ich Lebenskundgabe auf dem Weg? Wie geschieht mir im Laufen in der Schöpfung? Was läuft mir entgegen, in mich hinein?
Segnend und lobend gehen in der Spur der Psalmen
Kontemplatives Zusammenschauen: Das Aussen als Botschaft für das innen.
Befiehl du Deine Wege: was gerade in mir abläuft mit mir herumläuft im Laufen an Gottes Herz geben- hinlaufen lassen zu ihm. Und im Aussen am Lauf der Wolken erkennen, wie auch mein Fuss Wege finden kann durch Gottes je größere Fürsorge.
– Pfarrerin Dr. Thea Vogt, Tutzing, 22.04.2024
Literatur: Abraham Heschel, Gott sucht den Menschen, Eine Philosophie des Judentums, 1980, Neukirchen
Erich Zenger, Mit Gott ums Lebens kämpfen. Das Erste Testament als Lern-und Lebensbuch, 2020
Yar Zakovitch, Das Hohelied, HThK zum AT, 2004
SEGEN für alle Welt, täglich zu beten
Ich stehe gegründet auf der Erde und bringe Arme nach oben über den Kopf, Hände wie ein Blütenkelch geöffnet und dann beschreibe ich von oben her einen Segenskreis, langsam sinken die Arme dabei über die Seiten nach unten
Ich stehe in Deinem Licht- empfange aus DIR Segen – gesegnet mit Deiner Liebe und segne in Dir
Gesegnet in Dir
Alle Berge und Täler
Alle Wasser und Meere
Alle Lüfte und Winde
Alle Gestirne
Alle Pflanzen und Bäume
Alle Tiere
Dein Weltenall und Erdenrund
Gesegnet in Dir
Alle Menschen, die ich liebe (In der Stille können einzelne genannt werden)
Alle Menschen, mit denen ich mich schwertue (““)
Alle die im Elend sind und die im Elend helfen („“)
Alle Kranken („“)
Alle Sterbenden und Toten und Ungeborenen („“)
Alle, denen ich heute begegne
Gesegnet Alles was war und ist und kommt
In DIR, ewige Liebe
Amen