2 Thessalonischer 2, 1-12
In den eben gehörten Versen wird das Ende der Welt und die Frage nach unserer Errettung/unserer Zukunft wie in keinem anderen biblischen Buch einzigartig reflektiert.
Zwei Offenbarungen werden unterschieden und in einem großen Endkampf einander gegenübergestellt: Zuerst die Offenbarung der Macht des Bösen bzw. des Widersachers, des Satans und gleich aber auch die Offenbarung Jesu Christi, der ihn vernichten wird „durch den Hauch seines Mundes“, also souverän, direkt und verlustfrei.
Die Wiederkunft Christi liegt also noch in der Zukunft.
Die Enthüllung des Bösen geschieht bereits im Heute.
Aber da schreibt der Apostel rätselhaft von einer Verhinderung der Enthüllung des Bösen. Und dieses Hindernis muss beseitigt werden, bevor das Böse entmachtet, vernichtet wird durch die herrliche und alles umfangende Wiederkunft Christi.
Wie kann der Apostel von einer Verhinderung der Enthüllung des Bösen schreiben, wenn die Welt damals und heute offensichtlich vom Bösen erfüllt ist?
Es gibt offenbar etwas, das diese Einsicht für uns versperrt: Das ist das „Hindernis“, etwas, das die Macht Satans schützt und daher zu beseitigen ist, damit die Sicht wieder frei wird und wir wieder den Durchblick bekommen, auf das, was gut und böse ist und die ersehnte Erfüllung der Hoffnung im Glauben lebendig ist, wenn Christus erscheint.
Was kann dieses Hindernis sein? Sind wir es? „Herr, bin ich es?“ Es ist in unserem Text der Hochmut, sich an die Stelle Gottes setzen zu wollen, die Wahrheit in die eigenen Hände zu nehmen und zu beten: „Komm Herr Jesu, sei du mein Gast…!“
D.h. es die Ur- oder Wurzelsünde, in Gen 3 ausführlich bildhaft beschrieben; es ist das „Sein wie Gott!“ wenn nicht sogar mehr, das selbstbestimmte Handeln, oft genug gegen das Herz Gottes gerichtet. Und diese Ur-Sünde des tiefsitzenden Misstrauens muss beseitigt werden. Der 2. Thessalonicherbrief ist eine Reflexion über die Macht und Ohnmacht des Bösen und seine Überwindung.
In unserer Zeit der weltweiten Unruhe ruft er neu und immer wieder zur Umkehr, weg von Hochmut und Selbstsucht hin zu einer Gott vertrauenden, gehorsamen Selbsthingabe an das DU meines Lebens.
Sr. Ruth Meili CCR