5 Mose 12, 13-18
Im alten Orient war ein Festmahl oft mit einem Opfer verbunden, hatte also kultischen Charakter. In Israel fanden solche Feste gewöhnlich in einem regionalen Heiligtum und im Kreis der Familie statt. Im 5. Buch Mose wird ein einschneidender Wandel beschrieben. Mose unterscheidet in seinem Abschiedswort zwischen privaten Feiern zuhause und freiem Umgang mit den Speisen und den Opferfesten, die gemeinsam an einer einzigen Stätte gefeiert wurden, „an der Stätte, die JHWH, dein Gott, auswählen wird“.
Und immer wieder die Nennung des neuen Kristallisationspunktes: „die Stätte, die JHWH dein / euer Gott erwählen wird, in dem er dort seinen Namen wohnen lässt bzw. anbringt“, die Stätte seiner besonderen Gegenwart. Es geht bei diesen Festmahlen in erster Linie um Gastfreundschaft beim gemeinsamen Mahl, Gastfreundschaft Gottes. Das ganze Volk soll im zentralen Heiligtum beim festlichen Opfermahl zur reinen, vollen Freude vor Gott gelangen. Das 5. Buch Mose kennt keine andere Freude Israels als die bei Opfer und Fest im Tempel. „Lust haben, sich freuen und fröhlich sein“ ist die liturgische Grundhaltung, zutiefst verwurzelt in der Dankbarkeit: „für alles, was eure Hände geschafft haben, weil JHWH, dein Gott, dich gesegnet hat“.
„Für alles Gute, das JHWH, dein Gott, dir und deiner Familie gegeben hat“ – so am Ende des Buches. Der Zeitpunkt des Inkrafttretens dieser neuen Bestimmungen ist
- der Einzug Israels „in den Erbbesitz“, in das verheißene Land
und der ungestörte Genuss aller natürlichen Segensgüter des Landes. - Und der Einzug Israels „in die Ruhe“, in eine neue Geborgenheit in der Gemeinschaft mit Gott (später im Tempel).
In der Wüste ist das Volk der Erfüllung dieser göttlichen Verheißungen ent-gegengewandert. Jetzt darf es JHWH dienen im Heute an seiner ausge-wählten Stätte. Diese Neuordnung des Gottesdienstes ist der Anfang einer umfassenden Gesellschaftsreform in Israel, für das sesshaft werdende und später sesshaft gewordene Volk Gottes.
Eine Frage bewegt mich: Führen unsere kirchlichen Neuordnungen auch zu einer umfassenden Gesellschaftsreform in unserem Land?
Sr. Ruth Meili CCR