Apostelgeschichte 16, 16-24

Wir sind in unserer fortlaufenden Lesung mit Paulus und Silas in Philippi angekommen. Die Keimzelle der christlichen Gemeinde entsteht durch den Glauben und die Hingabe der Purpurhändlerin Lydia. Aber da ist auch eine andere Frau, eine Wahrsagerin, die tagelang Wahres hinter den Aposteln ausruft, aber diese Wahrheit kommt aus einer Geistkraft, die nicht aus dem Herzen Gottes schöpft und darum zur Verführungskraft wird, die Paulus und Silas ablehnen und im Namen Jesu austreiben. Das tangiert die wirtschaftlichen Interessen der Stadt-Herren und bringt letztlich die Apostel unter Entehrung ins innerste Gefängnis, in ein Kellerloch ohne Belüftung, wo sich die Abwässer sammelten; ihre Füße werden fluchtsicher in einen Block geschraubt.

„Und um die Mitternacht beteten Paulus und Silas und lobten Gott“. Dass Jünger Jesu Gott in der Finsternis und Verzweiflung loben können, ist eine Gabe des Heiligen Geistes, der sich zu denen stellt, die in der Tiefe sind und an Gott festhalten wollen. Und gerade das berührt die Mitgefangenen, die Fluchen und obszönes Reden gewohnt waren. Und dann geschieht etwas, das an die Pfingsterfahrung erinnert: „Und als sie gebetet hatten, erbebte die Stätte, wo sie versammelt waren…“

Aber auch ähnliche Erfahrungen der Psalmisten klingen nach und erinnern an die Erfahrungen des Gottes-Volkes am Sinai, als Gottes Herrlichkeit auf der Erde erscheint. Wo Gott kommt, werden Fesseln gesprengt, Tore aufgerissen, Verankerungen gelöst, Finsternisse licht, da beben Festlegungen. Und: Wer Gott dankt und lobt, muss nicht fliehen, weder vor sich, noch vor anderen und darf seine neue Freiheit auskosten.

Sr. Ruth Meili CCR