Hebräer 4, 1-13
Unser heutiger Text entfaltet das eigentliche Thema des ganzen Hebräerbriefes:
„Die Wanderschaft des Gottesvolkes“
Kampf und Auseinandersetzung im Glauben liegen hinter den Hörern. Nun ist Müdigkeit und Resignation über sie gekommen, eine schleichende Schwächung des inneren Lebens. Das Bekenntnis der Hoffnung ist verkümmert und damit auch die Zukunft Gottes, das Wohin und auch das Wozu aus dem Blick geraten.
Das hat ein Zurückbleiben auf der Wanderschaft zur Folge, ein Sitzenbleiben. Immer wieder verweist der Hebräerbrief auf die Geschichte von Israels Wüstenwanderung, in der Zeit zwischen Herausgelöstwerden aus Ägypten, dem Empfang der Verheißung und Erfüllung und dem Einzug in die Ruhe des verheißenen Landes. Da entdecken wir Schätze der Weisung, der Warnung, aber auch der Tröstung für das Unterwegssein, unerschöpfliche Abbilder unseres eigenen Wanderns.
Was ist denn die eigentliche Not unserer Wanderschaft, was macht sie so gefährlich und unsicher? Es ist der ständige Ruf zum Aufbruch, Zelte aufzuschlagen und dann wieder abzubrechen, sich nicht einzurichten im Erreichten, loszulassen, um Neues zu wagen und zu erglauben bis hin zum letzten Aufbruch.
Und dieser letzte Aufbruch in die vollendete Ruhe Gottes fällt uns nicht in den Schoss. Sie will eingeübt werden auf unserer Wanderschaft. Als die Bundeslade in den Tempel eingebracht wurde, betete Salomo: „So mache dich nun auf, Herr Gott, zu deiner Ruhe, du und die Lade deiner Macht.“
Diese seine Ruhe ist ein Heilsgut, die große Zuwendung Gottes an die Welt, seine Gegenwart – unter uns, eine Gabe, die Hütte Gottes bei uns Menschen. Das ist ein Bild, das es einzubilden gilt, denn Gott wohnt in uns ein und will in uns zur Ruhe kommen – im Heute. Und doch weiß er oft immer noch nicht, wo er sein Haupt hinlegen soll, Fremdling ist.
Jeder Gottesdienst, jede Gebetszeit ist ein Zeichen, das auf die neue Welt Gottes, auf seine vollendete Ruhe hinweist und jetzt schon vorhanden ist, damit unser Herz voll wird von ihm, wir beweglich bleiben für den Aufbruch im Kleinen und Großen, und wir einst glaubend eingehen in die große Ruhe Gottes, So sagt der Hebräerbrief: „Seid achtsam, dass euer keine dahinten bleibe, dass keine fragwürdige Zelte sucht, dass keine ruhelos umhersucht, sondern ausgerichtet lebt hin zur allumfassenden Ruhe Gottes, die jeden Aufbruch erleichtert.
Sr. Ruth Meili CCR