Hosea 9, 10-17
„Haben wir eigentlich Angst vor Gottes Wut?“, hat uns gestern Esther Zeiher in der Sonntagspredigt gefragt.
In unserem Text erlebe ich Gott als zornig, nicht nur wütend. Wenn ich daran denke, wie ein Mensch mir gegenüber zornig wurde, dann war das wie ein Schwert, das alles Lebendige in dem Moment abgeschnitten hat. Eine große Kälte – wie sie uns auch hier bei Hosea entgegenkommt mit Worten wie: kinderlos, unfruchtbar, umherirren… Wie muss sich göttlicher Zorn anfühlen, wenn der menschliche schon alles abtrennt?
Wie sehr leidet Gott an dem Getrenntsein von seinem Volk, wie sehr leidet Gott an meinem fern sein? Wie leidet Gott mit Blick auf die heutige Welt? Und ich frage mich, wer eigentlich noch prophetisch redet in der diese Qualität von existentieller Anklage aufschimmert – und Menschen erreicht?
Mir fällt Greta Thunberg ein bei der UN-Klimakonferenz 2019. Für mich war an ihr damals bei diesem Thema zu spüren, wie sehr sie mutiger Zorn trägt.
„How dare you?“, sagte sie, „wie könnt ihr es wagen? Menschen leiden, Menschen sterben, ganze Ökosysteme kollabieren. Wir stehen am Anfang eines Massensterbens und alles worüber ihr reden könnt, sind Geld und Märchen über ewiges Wirtschaftswachstum. Wie könnt ihr nur?“
In mir bleibt die Frage hängen „Haben wir eigentlich Angst vor Gottes Zorn?“ Da Angst allgemein keine gute Ratgeberin ist, ist es vielleicht hilfreich, neben den wohltuendes Gottesbildern, den zornigen Gott nicht zu vergessen.
Sr. Anja Veronika Waltemate CCR