Sacharja 14, 1-11

Sacharja zeichnet einen Weg von Krise und Bedrängnis, von einer Welt im Erschüttern. Berge brechen auf, Wege versperren sich, Licht und Dunkelheit verschwimmen.

Wo kein Ausweg mehr scheint, schafft Gott einen Weg und mitten hinein klingt der Satz: „Es wird ein einziger Tag sein — er ist dem Herrn bekannt! —, es wird nicht Tag und Nacht sein, und auch um den Abend wird es Licht sein“ (V. 7).

Vielleicht ist genau das ein adventliches Wort. Ein Licht, das nicht am Morgen erscheint, sondern in der Nacht, im Ermüden des Tages, in dem, was bricht und dunkel geworden ist. So beginnt auch Weihnachten: unauffällig, verborgen, in jener Stunde, die Gott allein kennt.

Der einzige Tag, der die Zeit neu ordnet, der Tag, an dem das Licht in die Welt kommt und die Nacht nicht mehr dunkel bleibt. Heute Abend singen wir im Zugehen auf Weihnachten die erste O-Antiphon, O Sapientia: „O Weisheit, hervorgegangen aus dem Munde des Höchsten — die Welt umspannst du von einem Ende zum andern, in Kraft und Milde ordnest du alles: o komm und offenbare uns den Weg der Weisheit und Einsicht“.

Ist es diese Weisheit, die in Sacharja sichtbar wird? Nicht als Theorie, sondern als Licht, das die Dunkelheit verwandelt und einen Weg öffnet, wo keiner war. Vielleicht ist das unsere Hoffnung an diesem Morgen, dass Gottes Weisheit uns sammelt, uns neu ausrichtet, uns durch die Schatten führt — bis zu jenem einen Tag, der ganz ihm gehört, und an dem es hell wird, selbst am Abend.

Sr. Belinda Wolf CCR