Rückblick: Das unsichtbare Erbe der Kriegsenkel:innen – Trauma und Sehnsucht
Vortrag von Ingrid Meyer-Legrand am 08. Juli 2026
Aufgrund des unerwartet hohen Interesses und eines enormen Publikumsandrangs musste die Veranstaltung des regionalen Freundeskreises der Evangelischen Akademie Tutzing in die St. Michaelskirche des Evangelischen Klosters Schwanberg verlegt werden. Rund 130 Gäste folgten dort den bewegenden Ausführungen von Ingrid Meyer-Legrand, die in Berlin als systemische Therapeutin und Supervisorin arbeitet.
Im Zentrum des Vortrags stand die Frage, wie die traumatischen Erfahrungen der Kriegsgeneration (geboren ca. 1928–1945) unbewusst und oft durch Schweigen oder Verdrängung in die nachfolgenden Generationen hineinwirken. Das Thema besitzt angesichts gegenwärtiger globaler Krisen eine bedrückende Aktualität, da die psychischen Folgen von Flucht und Vertreibung Familien meist über Jahrzehnte belasten. Meyer-Legrand beschrieb das seelische Gefüge der sogenannten „Kriegsenkel“ als ein Spannungsfeld zwischen Trauma und Sehnsucht: Einerseits wuchsen viele von ihnen mit emotional unnahbaren Eltern auf, andererseits bilden sie eine aktive Aufbruchsgeneration, die jedoch oft von innerer Unruhe und biografischen Brüchen begleitet wird.
Anhand konkreter Beispiele – wie der Fluchtgeschichte ihrer eigenen Mutter aus Pommern im Jahr 1945 – verdeutlichte die Referentin diese generationenübergreifenden Prägungen. Wichtig war ihr dabei der lösungsorientierteBlick: Die bewusste Auseinandersetzung mit der Familiengeschichte birgt die Chance, wertvolle Ressourcen wie eine hohe Empathiefähigkeit, Krisenkompetenz und Resilienz freizulegen. Im Anschluss an den Vortrag nutzten die Anwesenden die Gelegenheit für Fragen, in der auch viele persönliche Erfahrungen geteilt wurden.

